Ramadan, 1001 Nacht, Germany Ragab Kamal Ramadan, 1001 Nacht, Germany Ragab Kamal

Zwei Herzen in meiner Brust

Zwischen Ägypten und Deutschland, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Religion und Offenheit: Manchmal habe ich das Gefühl, zwei Herzen in meiner Brust zu tragen. Muss Identität wirklich eine Entscheidung zwischen zwei Seiten sein – oder kann man mehrere Welten gleichzeitig in sich tragen?

Zwei Herzen in meiner Brust

Liebe Leserinnen und Leser in Deutschland, Ägypten und überall auf der Welt,

vor Kurzem habe ich einen deutschen Ausdruck kennengelernt, den ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekomme: „zwei Herzen in einer Brust“. Als ich ihn zum ersten Mal gehört habe, dachte ich sofort: Das beschreibt irgendwie mein Leben und viele meiner Gefühle.

Wer mich nicht persönlich kennt, weiß vielleicht nicht, dass ich mich schon lange zwischen verschiedenen Welten bewege. Ich habe oft davon erzählt, wie sehr ich mit meiner ägyptischen Kultur verbunden bin, wie sehr ich sie vermisse und wie viele Erinnerungen, Menschen, Gerüche, Geräusche und Gewohnheiten ich mit ihr verbinde. Gleichzeitig bin ich froh, in Europa zu leben und hier neue Möglichkeiten bekommen zu haben. Ich habe hier neue Menschen kennengelernt, neue Erfahrungen gemacht und eine andere Seite des Lebens entdeckt.

Und manchmal habe ich das Gefühl: 50 Prozent hier und 50 Prozent dort. Ich stehe zwischen beiden – nicht unbedingt, weil ich mich für eine Seite entscheiden muss, sondern weil beide zu mir gehören.

Das betrifft nicht nur meine Herkunft oder meinen Wohnort. Auch in anderen Bereichen meines Lebens finde ich mich immer wieder zwischen verschiedenen Polen.

Ich bin ein religiöser Mensch. Der Islam ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich bete, trinke keinen Alkohol und versuche, meinen Glauben ernst zu nehmen. Manche Menschen würden mich deshalb vielleicht einfach als einen „guten Muslim“ beschreiben.

Gleichzeitig bin ich offen für andere religiöse Erfahrungen und Perspektiven. Ich gehe gerne in eine Kirche, genauso wie ich gerne eine Moschee besuche. Ich interessiere mich für andere religiöse Traditionen und möchte verstehen, wie andere Menschen ihren Glauben leben und erleben. Auch hier: 50 Prozent und 50 Prozent.

Natürlich gibt es viele persönliche Erfahrungen, über die ich online nicht sprechen möchte. Aber selbst in den Bereichen, die ich mit anderen teile, merke ich immer wieder, wie sehr ich zwischen unterschiedlichen Welten stehe.

Nehmen wir zum Beispiel das Tanzen. Für manche Menschen in meinem arabischen Umfeld ist es vielleicht nicht selbstverständlich, wenn jemand Standard- oder lateinamerikanische Tänze lernt. Für mich gehört aber auch das zu meiner Neugier auf die Welt und zu meiner persönlichen Entwicklung.

Und so könnte ich noch viele Beispiele nennen. Wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich vielleicht sagen: Ich bin auch 50 Prozent gut und 50 Prozent schlecht. Manchmal fühle ich mich gleichzeitig sehr traditionell und sehr modern. Sehr ägyptisch und sehr europäisch. Sehr religiös und gleichzeitig offen für unterschiedliche religiöse Erfahrungen. Manchmal bin ich links, manchmal rechts – und manchmal stehe ich einfach irgendwo dazwischen.

Vielleicht klingt das widersprüchlich. Für mich ist es aber inzwischen weniger ein Widerspruch als ein Teil meiner Identität. Ich habe lange versucht, diese verschiedenen Seiten voneinander zu trennen oder mich für eine davon zu entscheiden. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, dass ich nicht unbedingt wählen muss. Vielleicht darf ein Mensch gleichzeitig mehrere Zugehörigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven in sich tragen.

Vor Kurzem bin ich dann auf einige Zeilen aus einem ägyptischen Lied der Band Cairokee gestoßen, die dieses Gefühl für mich noch stärker ausdrücken:

.جوايا اتنين وأنا التالت ، والتالت دايمًا ساكت، سلم، بطل يتكلم ولا بيحس ولا بيتألم

(In mir sind zwei, und ich bin der Dritte. Der Dritte schweigt immer. Er hat aufgehört zu sprechen, zu fühlen und zu leiden).

Diese Worte haben mich getroffen, weil sie ein Gefühl beschreiben, das manchmal schwer zu erklären ist: als würden in einem Menschen mehrere Stimmen leben – und dazwischen steht noch eine dritte Person, die zuhört und versucht, alles zusammenzuhalten.

Vielleicht ist genau das mein „drittes Ich“.

Zwei Herzen in meiner Brust.

Vielleicht sind es sogar mehr als zwei. Und vielleicht bin ich nicht derjenige, der zwischen ihnen entscheiden muss – sondern derjenige, der gelernt hat, mit ihnen allen zu leben.

Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨

P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.

Ragab Kamal Abouhalima

Mehr Beiträge: 👇 👇

Read More