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Ist das Saft?

Ein Muslim erlebt Allerheiligen aus nächster Nähe: eine persönliche Begegnung mit christlichen Traditionen, religiöser Identität und den kleinen Momenten des interreligiösen Dialogs.

Ein Muslim besucht einen Gottesdienst an Allerheiligen

Heute, am 1. November, ist Allerheiligen, ein wichtiges christliches Hochfest, insbesondere in der katholischen Kirche. An diesem Tag wird aller Heiligen der Kirche gedacht, sowohl der bekannten als auch der unbekannten.

Da ich mich besonders für den interreligiösen Dialog und die Begegnung zwischen verschiedenen religiösen Traditionen interessiere, dachte ich, dass dieser Tag eine gute Gelegenheit wäre, selbst eine solche Erfahrung zu machen. Anstatt nur darüber zu lesen oder mit meinen christlichen Freunden darüber zu sprechen, wollte ich eine Kirche besuchen und aus nächster Nähe erleben, wie Christinnen und Christen diesen besonderen Tag begehen. Ich wollte die Feier einmal selbst miterleben – wenn auch nur als muslimischer Besucher, der neugierig darauf ist, eine andere religiöse Tradition kennenzulernen.

Bevor ich das Haus verließ, erzählte mir ein Freund, dass Allerheiligen in den evangelischen Kirchen in Deutschland normalerweise nicht in derselben Weise gefeiert wird wie in der katholischen Kirche. Deshalb empfahl er mir, lieber eine katholische Kirche zu besuchen, da dieser Tag dort eine besondere Bedeutung hat.

Die katholische Kirche lag allerdings ziemlich weit entfernt, und ich war noch nie zuvor dort gewesen. Deshalb beeilte ich mich ein wenig, um rechtzeitig anzukommen. Doch als ich schließlich dort eintraf, stellte ich fest, dass die Kirche geschlossen war! Ich konnte niemanden sehen, der hinein- oder hinausging. Alles war so ruhig, als wäre es ein ganz gewöhnlicher Wochentag und nicht einmal Sonntag.

So schnell wollte ich allerdings nicht aufgeben, zumal es sich um einen besonderen Tag handelt, der nur einmal im Jahr stattfindet. Also machte ich mich schnell auf den Rückweg zur anderen Kirche, in der Hoffnung, die Gelegenheit nicht doch noch ganz zu verpassen.

Bis heute weiß ich nicht genau, warum die katholische Kirche geschlossen war. Vielleicht war angekündigt worden, dass der Gottesdienst an einem anderen Ort stattfinden sollte, oder möglicherweise war die Feier für den Nachmittag geplant. Da ich niemanden fragen konnte, beschloss ich, keine weitere Zeit zu verlieren.

Glücklicherweise schaffte ich es noch zur anderen Kirche! Ich kam ungefähr zehn Minuten nach Beginn des Gottesdienstes an. Zum Glück hatte die Gemeinde gerade erst angefangen, sodass ich noch nicht viel verpasst hatte.

Ich setzte mich, hörte den Gebeten zu und beobachtete die Gemeinde. Alles war neu für mich, und ich achtete auf die kleinsten Details, während ich versuchte, die einzelnen Abläufe und ihre Bedeutung zu verstehen.

Besonders fiel mir eine kleine Gruppe von Kindern und Jugendlichen auf, die in den vorderen Reihen saßen. Sie hatten kleine Hefte dabei, sogenannte Gottesdiensthefte, in denen sie verschiedene Informationen über den Gottesdienst festhielten. Dazu gehörten das Thema der Predigt, der Psalm, die gesungenen Lieder und sogar ihre persönlichen Eindrücke davon, was ihnen am Gottesdienst besonders gut oder weniger gut gefallen hatte.

Das fand ich ausgesprochen interessant. Denn dieses Heft diente nicht nur dazu, den Gottesdienst zu dokumentieren, sondern bot auch Raum für eine persönliche Reflexion und Bewertung. So gab es beispielsweise eine Frage dazu, was den Teilnehmenden besonders gut gefallen hatte, und eine weitere dazu, was ihnen überhaupt nicht gefallen hatte.

Nach dem Gottesdienst fragte ich den Pfarrer, ob ich ebenfalls ein solches Heft bekommen könnte. Er erklärte mir, dass diese Hefte normalerweise für Jugendliche gedacht seien, die sich auf ihre Konfirmation vorbereiten. Sie würden damit dokumentieren, wie viele Gottesdienste sie besucht hätten, und zugleich verschiedene Informationen und persönliche Eindrücke zu den einzelnen Gottesdiensten festhalten.

Die Idee gefiel mir wirklich sehr! Ich dachte mir: Warum sollte ich nicht etwas Ähnliches machen? Natürlich nicht als Teilnehmer des Konfirmationsunterrichts, sondern als muslimischer Besucher, der seine Kirchenbesuche und persönlichen Erfahrungen dokumentieren möchte.

Ich könnte das Datum jedes Besuchs, das Thema der Predigt, die gelesenen Psalmen, die gesungenen Lieder, interessante Gedanken und meine persönlichen Erkenntnisse festhalten. Auf diese Weise würde jeder Besuch zu einer Gelegenheit des Lernens und Nachdenkens werden. Gleichzeitig könnte ich eine persönliche Dokumentation meiner Reise durch die christliche Welt und ihrer religiösen Praktiken aufbauen.

Interessanterweise stand in dem Heft, das ich fotografiert habe, als Thema des Gottesdienstes handschriftlich das Wort „Vergebung“. Außerdem war dort Psalm 130 vermerkt. Auch diese kleinen Details weckten mein Interesse und brachten mich zum Nachdenken über religiöse Vorstellungen und Begriffe, die Anknüpfungspunkte für einen Austausch zwischen Islam und Christentum bieten können.

Doch damit war mein Erlebnis noch nicht vorbei. Ein unerwarteter Moment stand mir noch bevor!

Gegen Ende des Gottesdienstes bat der Pfarrer alle Anwesenden aufzustehen und nach vorne zu kommen, um am Abendmahl teilzunehmen und Brot und Kelch zu empfangen. Damit wird im christlichen Glauben an den Leib und das Blut Christi erinnert.

Er erklärte, dass es für das Getränk zwei Möglichkeiten gebe: Wein oder Apfelsaft. Während das Brot ausgeteilt wurde, reichte der Pfarrer es den einzelnen Personen mit den Worten:

„Christi Leib, für dich gegeben.“

Ich trat nach vorne und nahm ein Stück Brot entgegen. Fast ganz automatisch flüsterte ich dabei:

بسم الله – Bismillah (Im Namen Gottes).

Dann kam der Kelch!

Ich bemerkte, dass alle daraus tranken, und plötzlich begann ich zu zögern. Als Muslim trinke ich keinen Alkohol, und ich wollte natürlich nichts zu mir nehmen, was meinen religiösen Überzeugungen widerspricht. Schließlich wollte ich meine eigene religiöse Identität nicht vergessen, nur weil ich gerade eine andere religiöse Tradition kennenlernen wollte.

Gleichzeitig wollte ich den Kelch auch nicht einfach unberührt zurückgeben, zumal derjenige, der ihn austeilte, gerade dabei war, die einzelnen Personen der Reihe nach zu bedienen.

Also beschloss ich, zu warten, bis er noch einmal an mir vorbeikam.

Inzwischen hatte der Pfarrer mich während des Gottesdienstes bereits gesehen. Vielleicht konnte er mir auch schon an meinem etwas verzweifelten Blick ansehen, dass ich mich in einer kleinen Zwickmühle befand!

Als er wieder näherkam, fragte ich ihn leise:

„Ist das Saft?“

Er sah mich an und antwortete:

„Ja, das ist Saft!“

Und ich sagte:

„Thank you!“

Und damit war mein kleines Dilemma gelöst!

Wenn ich heute an diesen Moment zurückdenke, muss ich schmunzeln. Die Situation war wirklich amüsant. Gleichzeitig glaube ich, dass gerade dieser kleine Augenblick etwas Wesentliches über meine Erfahrung an diesem Tag aussagt.

Ich hatte die Kirche aus Neugier und aus einem echten Interesse am Verständnis einer anderen religiösen Tradition betreten. Ich wollte die Feier miterleben und daran teilhaben, ohne dabei vorzugeben, jemand anderes zu sein oder meine eigene religiöse Identität aufzugeben.

Für mich bedeutet interreligiöser Dialog nicht, die eigene Identität oder die eigenen Überzeugungen aufzugeben. Vielmehr bedeutet er, anderen Menschen mit Offenheit, Respekt und ehrlicher Neugier zu begegnen, ihre Traditionen und Praktiken kennenzulernen und dabei sich selbst und den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben.

Ich bin außerdem der Meinung, dass interreligiöser Dialog nicht auf wissenschaftliche Konferenzen, Seminare oder theologische Debatten beschränkt sein sollte. Er kann bereits damit beginnen, am religiösen Alltag anderer Menschen teilzunehmen, ihre Gotteshäuser zu besuchen, ihren Gebeten zuzuhören, ihre Rituale zu beobachten und einfache Fragen zu stellen, die uns helfen, ihre religiöse und menschliche Lebenswelt besser zu verstehen.

Das kleine Heft, das die Jugendlichen für ihre Gottesdienstbesuche verwendeten, brachte mich schließlich auf eine weitere Idee: Vielleicht sollte ich selbst damit beginnen, meine Kirchenbesuche und persönlichen Erfahrungen systematisch festzuhalten. Vielleicht war dieser Besuch ja der Anfang einer Reihe von Begegnungen, durch die ich mehr über das Christentum lernen kann – nicht nur aus Büchern, sondern auch durch den direkten Kontakt mit gläubigen Menschen und ihren religiösen Praktiken.

Denn manchmal braucht eine Begegnung zwischen Religionen keine komplizierten theologischen Diskussionen oder langen Debatten über Glaubensunterschiede. Manchmal beginnt sie ganz einfach mit einem Stück Brot, einem geflüsterten Bismillah, einem kleinen Heft zum Notieren und einer einzigen, ganz einfachen Frage:

„Ist das Saft?“

Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨
P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.
Ragab Kamal Abouhalima

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Als Muslim auf dem Oktoberfest!

Meine Oktoberfest-Erfahrung als Muslim in Deutschland – von Lederhose und Dirndl über Maßkrug-Wettbewerbe bis hin zu Brezel und Apfelschorle statt Bier.

Meine erste Oktoberfest-Erfahrung in Deutschland

Meine erste Erfahrung mit dem Oktoberfest hatte ich 2022, als ich Deutschland zum ersten Mal als Besucher bereiste. Damals lernte ich Deutschland, die Menschen und natürlich auch die deutsche Kultur und ihre Traditionen erst kennen.

Meine deutschen Nachbarn luden mich ein, mit ihnen zu einer Oktoberfest-Veranstaltung in Frankfurt zu gehen. Als wir dort ankamen und ich zum ersten Mal die traditionelle Kleidung sah, musste ich sofort an Pferde und ihre Sättel in meinem ägyptischen Dorf denken. Die Lederhose erinnerte mich irgendwie an das Leder und die Sättel, die ich von dort kannte.

Gleichzeitig war die Kleidung für mich ziemlich ungewohnt. Für uns Ägypter ist es natürlich alles andere als normal, solche Kleidung zu tragen. Ich dachte sogar:

„Wenn meine Mutter mich jemals so sehen würde, würde sie sich wahrscheinlich kaputtlachen!“ 😂

Jetzt denken vielleicht einige von euch: „Oktoberfest in Frankfurt? Echt jetzt? Das Oktoberfest ist doch in München!“ Ja, ich weiß, ich weiß! 😄

Das weltberühmte und ursprüngliche Oktoberfest findet natürlich in München statt. Das Fest, zu dem wir in Frankfurt gingen, war eher eine lokale Veranstaltung im Stil des Oktoberfests. Aber für mich, als jemand, der zum ersten Mal in Deutschland war, war es trotzdem eine tolle Gelegenheit, diese Tradition einmal selbst zu erleben.

Allerdings gab es für mich bei Bier und Essen eine kleine Herausforderung: Ich trinke keinen Alkohol und esse kein Schweinefleisch. Und wenn man an Oktoberfest denkt, gehören Bier und viele traditionelle Fleischgerichte natürlich irgendwie dazu. 😄
Aber keine Sorge – ich habe trotzdem etwas gefunden, das ich essen konnte! Ich habe zum Beispiel eine Brezel und Kartoffelsalat gegessen und dazu Wasser oder Apfelschorle getrunken.

So konnte ich die Atmosphäre genießen und mitmachen, ohne Bier zu trinken oder Schweinefleisch zu essen.
Vielleicht war ich damit nicht gerade der typischste Oktoberfestbesucher – aber dafür wahrscheinlich einer der nüchternsten! 😂
Aber je länger ich dort war, desto mehr entdeckte ich andere interessante Seiten dieser Tradition.
Zum Beispiel gibt es Wettbewerbe wie das Maßkrugstemmen. Dabei halten die Teilnehmer einen Maßkrug mit einem Liter Bier mit ausgestrecktem Arm so lange wie möglich.
Und ja – auch Frauen machen bei solchen Wettbewerben mit! Es gibt dabei unterschiedliche Rekorde und Wettbewerbe für Männer und Frauen.
Ich habe sogar selbst einen Maßkrug in der Hand gehalten – einen ganzen Liter! 😄 Das Foto davon habe ich hier ebenfalls hochgeladen.
Man könnte denken, dass es gar nicht so schwierig ist. Aber wenn man einen vollen Liter mit ausgestrecktem Arm halten muss, merkt man ziemlich schnell, wie schwer das tatsächlich ist!

Im darauffolgenden Jahr, nachdem ich nach Deutschland gezogen war, bekam ich die Gelegenheit, Oktoberfest noch einmal auf eine ganz andere Art zu erleben.
Meine Nachbarn luden mich zu sich nach Hause ein, um gemeinsam mit ihnen und mehreren ihrer Freunde zu feiern. Diesmal war ich also nicht einfach ein Besucher auf einem Fest, sondern Teil einer kleinen Gruppe, die gemeinsam zu Hause feierte. Und dort lernte ich zum ersten Mal etwas kennen, das ich vorher noch nicht erlebt hatte: Bier aus dem Fass. Also Bier, das direkt aus einem Fass gezapft wird.

Es waren diese kleinen Dinge, die die Erfahrung für mich besonders interessant machten: Menschen kommen zusammen, unterhalten sich, lachen, essen und trinken gemeinsam – und man lernt ganz nebenbei neue Menschen und neue Seiten der deutschen Kultur kennen.
Ich selbst trank natürlich weiterhin kein Bier. Aber ich konnte trotzdem teilnehmen, beobachten, Fragen stellen und einfach die Atmosphäre genießen.
Und genau hier begann ich etwas Wichtiges über kulturellen Austausch zu verstehen:
Kulturen müssen nicht gleich sein, damit Menschen einander verstehen können. Manchmal reicht es schon, einen gemeinsamen Moment miteinander zu teilen.

Im Jahr 2022 erlebte ich das Oktoberfest als Besucher, der zum ersten Mal nach Deutschland gekommen war.

Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich weniger als ein Jahr später, im September 2023, nach Deutschland ziehen und hier ein neues Leben beginnen würde.
Mit der Zeit wurde das Oktoberfest für mich deshalb mehr als nur eine touristische Erfahrung. Ich begann, es durch meine Beziehungen zu meinen Nachbarn und Freunden zu erleben – durch Einladungen nach Hause, gemeinsame Abende und all die kleinen alltäglichen Momente, die man aus keinem Reiseführer wirklich lernen kann.
Heute, wenn ich an meine erste Oktoberfest-Erfahrung zurückdenke, sehe ich darin mehr als nur Bier und traditionelle Kleidung. Es war eines meiner ersten Fenster in das deutsche Leben und die deutsche Kultur von innen.
Und vielleicht ist genau das das Schöne an solchen Erfahrungen: Man beginnt als Gast, wird mit der Zeit Teil einer Gemeinschaft und lernt dabei, dass hinter jeder Tradition nicht nur eine Geschichte und eine Kultur stehen, sondern vor allem Menschen, denen man begegnen und mit denen man etwas teilen kann.
Für mich war das Oktoberfest deshalb nicht einfach nur ein Fest.
Es war eine meiner ersten echten Begegnungen mit Deutschland.

Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨
P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.
Ragab Kamal Abouhalima

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Taufe in Islam?

Meine erste Erfahrung mit einer christlichen Taufe: Eine muslimische Perspektive.

Meine erste Erfahrung mit einer christlichen Taufe: Eine muslimische Perspektive.

Vor Kurzem wurde ich zum ersten Mal eingeladen, an einer christlichen Taufe (Taufe) in einer Kirche in Deutschland teilzunehmen. Da ich mich für Religion und interkulturellen Dialog interessiere, war diese Erfahrung für mich nicht nur eine Gelegenheit, einen wichtigen christlichen Ritus mitzuerleben, sondern auch über einige Traditionen und Praktiken in der islamischen Kultur nachzudenken.

Bevor ich daran teilnahm, hatte ich eine etwas andere Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Ich dachte, dass der Pfarrer das Kind nehmen und es direkt ins Wasser tauchen würde. Ich hatte zuvor über die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan gelesen und war deshalb sehr neugierig, wie die Zeremonie mit einem etwa zweijährigen Kind ablaufen würde. Ich fragte mich auch, wie der Pfarrer und die Eltern es schaffen würden, ein so kleines Kind während einer solchen Erfahrung ruhig zu halten. Könnte es für ein so kleines Kind vielleicht sogar gefährlich sein?

Was ich dann erlebte, war jedoch ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Das Kind wurde nicht ins Wasser getaucht. Stattdessen wurde das Wasser symbolisch verwendet. Der Pfarrer tauchte seine Hand ins Wasser und legte sie auf den Kopf und die Stirn des Kindes, während er die bekannten christlichen Worte sprach: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Auch die Eltern spielten bei der Zeremonie eine wichtige Rolle, ebenso wie die Pateneltern. Das war für mich besonders interessant, denn eine solche religiöse und soziale Rolle der Pateneltern gibt es in dieser Form nicht in der islamischen Kultur. Auch eine Taufe, durch die ein Kind offiziell Muslim wird, gibt es in der islamischen Kultur nicht.

Wasser, Leben und Symbolik

Eines der Dinge, die meine Aufmerksamkeit besonders auf sich zogen, war die Verwendung von Wasser. Wasser ist bei dieser Zeremonie nicht einfach nur ein materielles Element, sondern trägt eine symbolische Bedeutung, die mit Leben, Erneuerung und Segen verbunden ist. Das brachte mich dazu, auch über die Bedeutung von Wasser in der islamischen Kultur nachzudenken.

Wasser ist für das menschliche Leben unverzichtbar. Ohne Wasser können Menschen nicht leben. Auch in der islamischen Kultur spielt Wasser eine wichtige Rolle bei religiösen Praktiken wie Wuḍūʾ (Gebetswaschung) und Ghusl (rituelle Ganzkörperwaschung), bei denen Wasser mit Sauberkeit, Reinheit und der Vorbereitung auf die religiöse Praxis verbunden ist.

Als Islamwissenschaftler führte mich das zu einer Frage:

Gibt es in der islamischen Kultur etwas, das mit der Taufe vergleichbar ist?

Zunächst hätte ich gesagt: Nein.

In der islamischen Kultur gibt es keine Taufe, durch die ein Kind Muslim wird. Nach traditionellem islamischem Verständnis wird jedes Kind auf der Fiṭra geboren – einer von Gott gegebenen natürlichen Veranlagung, die als eine dem Menschen innewohnende Hinwendung zur Erkenntnis Gottes verstanden wird.

Deshalb braucht ein Neugeborenes weder eine Bekehrung noch eine religiöse Zeremonie, um Muslim zu werden.

Was geschieht bei der Geburt eines Kindes in der islamischen Kultur?

In vielen muslimischen Gemeinschaften gibt es die Tradition, dem Neugeborenen leise den Adhān, den islamischen Gebetsruf, ins Ohr zu sprechen. Die Vorstellung dahinter ist, dass das Kind zu Beginn seines Lebens unter anderem Worte hört, die sich auf Gott, den Glauben und das Gebet beziehen.

Dies unterscheidet sich deutlich von der Taufe. Nach traditionellem islamischem Verständnis braucht ein Kind weder eine religiöse Zeremonie noch einen Imam, um Teil der muslimischen Gemeinschaft zu werden. Das Kind wird bereits als auf der Fiṭra geboren verstanden.

Daneben gibt es weitere Praktiken, die in vielen muslimischen Kulturen mit der Kindheit verbunden sind, beispielsweise die Beschneidung. Sie wird in vielen islamischen Traditionen mit Reinheit und mit Überlieferungen über den Propheten Abraham verbunden.

Ich würde die Beschneidung jedoch nicht als eine „islamische Taufe“ bezeichnen, da dies ein ungenauer Vergleich wäre. Sie ist vielmehr ein weiteres Beispiel für eine religiöse Praxis, die mit einer bestimmten Lebensphase verbunden ist.

Und was ist mit dem Ende des Lebens?

Interessanterweise brachte mich die Erfahrung der Taufe auch dazu, über den entgegengesetzten Moment nachzudenken: das Ende des Lebens.

In der islamischen Kultur betrachten Muslime die Schahāda, das Glaubensbekenntnis, als zentralen Ausdruck des islamischen Glaubens:

„Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt und dass Muhammad der Gesandte Gottes ist.“

Die Schahāda ist auch mit den letzten Momenten des Lebens verbunden. Traditionell kann man einen sterbenden Menschen daran erinnern, und viele Muslime hoffen, dass die Schahāda zu den letzten Worten gehört, die ein Mensch sprechen kann.

In diesem Sinne finden sich in der islamischen Kultur religiöse Praktiken, die mit verschiedenen Lebensphasen verbunden sind: der Adhān bei der Geburt, Praktiken im Zusammenhang mit Kindheit und Reinheit und die Schahāda am Ende des Lebens.

Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Praktiken der christlichen Taufe entsprechen. Ihre Bedeutung, ihre theologischen Grundlagen und ihr jeweiliger Kontext sind unterschiedlich.

Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht darin, dass diese Praktiken in der islamischen Kultur nicht unbedingt die Anwesenheit eines Imams oder eine formelle Zeremonie in einer Moschee voraussetzen. Die Taufe hingegen ist ein christlicher Ritus, der normalerweise von einem Pfarrer innerhalb einer Kirche durchgeführt wird.

Was habe ich aus dieser Erfahrung gelernt?

Vielleicht war das Interessanteste an meiner ersten Erfahrung mit einer Taufe nicht nur die Zeremonie selbst, sondern das, worüber sie mich anschließend nachdenken ließ.

Ich betrat die Kirche mit der Erwartung, etwas völlig Unbekanntes zu sehen. Doch dann stellte ich fest, dass ich über Themen nachdachte, die auch in der islamischen Kultur eine wichtige Rolle spielen: Wasser, Leben, Segen, Reinheit, Gemeinschaft, Glaube und die verschiedenen Lebensphasen des Menschen.

Das bedeutet nicht, dass die Taufe und islamische Praktiken dasselbe sind oder dieselbe religiöse oder theologische Bedeutung haben. Jede religiöse Tradition hat ihren eigenen Kontext und ihre eigene Interpretation.

Die Erfahrung hat mir jedoch etwas Wichtiges über den interreligiösen und interkulturellen Dialog gezeigt. Eine andere Religion zu verstehen bedeutet nicht unbedingt, nach einer identischen Praxis in der eigenen Religion zu suchen. Manchmal beginnt es ganz einfach mit der Frage:

Was bedeutet dieses Ritual für die Menschen, die es praktizieren?

Für mich war die Teilnahme an einer Taufe daher mehr als nur das Beobachten einer Zeremonie in einer Kirche. Ich ging aus Neugier dorthin, aber ich verließ die Kirche mit Gedanken nicht nur über das, was ich gesehen hatte, sondern auch über einige Traditionen der islamischen Kultur, die ich vielleicht vorher noch nicht aus dieser Perspektive betrachtet hatte.

Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨

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Zwei Herzen in meiner Brust

Zwischen Ägypten und Deutschland, zwischen Tradition und Moderne, zwischen Religion und Offenheit: Manchmal habe ich das Gefühl, zwei Herzen in meiner Brust zu tragen. Muss Identität wirklich eine Entscheidung zwischen zwei Seiten sein – oder kann man mehrere Welten gleichzeitig in sich tragen?

Zwei Herzen in meiner Brust

Liebe Leserinnen und Leser in Deutschland, Ägypten und überall auf der Welt,

vor Kurzem habe ich einen deutschen Ausdruck kennengelernt, den ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekomme: „zwei Herzen in einer Brust“. Als ich ihn zum ersten Mal gehört habe, dachte ich sofort: Das beschreibt irgendwie mein Leben und viele meiner Gefühle.

Wer mich nicht persönlich kennt, weiß vielleicht nicht, dass ich mich schon lange zwischen verschiedenen Welten bewege. Ich habe oft davon erzählt, wie sehr ich mit meiner ägyptischen Kultur verbunden bin, wie sehr ich sie vermisse und wie viele Erinnerungen, Menschen, Gerüche, Geräusche und Gewohnheiten ich mit ihr verbinde. Gleichzeitig bin ich froh, in Europa zu leben und hier neue Möglichkeiten bekommen zu haben. Ich habe hier neue Menschen kennengelernt, neue Erfahrungen gemacht und eine andere Seite des Lebens entdeckt.

Und manchmal habe ich das Gefühl: 50 Prozent hier und 50 Prozent dort. Ich stehe zwischen beiden – nicht unbedingt, weil ich mich für eine Seite entscheiden muss, sondern weil beide zu mir gehören.

Das betrifft nicht nur meine Herkunft oder meinen Wohnort. Auch in anderen Bereichen meines Lebens finde ich mich immer wieder zwischen verschiedenen Polen.

Ich bin ein religiöser Mensch. Der Islam ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich bete, trinke keinen Alkohol und versuche, meinen Glauben ernst zu nehmen. Manche Menschen würden mich deshalb vielleicht einfach als einen „guten Muslim“ beschreiben.

Gleichzeitig bin ich offen für andere religiöse Erfahrungen und Perspektiven. Ich gehe gerne in eine Kirche, genauso wie ich gerne eine Moschee besuche. Ich interessiere mich für andere religiöse Traditionen und möchte verstehen, wie andere Menschen ihren Glauben leben und erleben. Auch hier: 50 Prozent und 50 Prozent.

Natürlich gibt es viele persönliche Erfahrungen, über die ich online nicht sprechen möchte. Aber selbst in den Bereichen, die ich mit anderen teile, merke ich immer wieder, wie sehr ich zwischen unterschiedlichen Welten stehe.

Nehmen wir zum Beispiel das Tanzen. Für manche Menschen in meinem arabischen Umfeld ist es vielleicht nicht selbstverständlich, wenn jemand Standard- oder lateinamerikanische Tänze lernt. Für mich gehört aber auch das zu meiner Neugier auf die Welt und zu meiner persönlichen Entwicklung.

Und so könnte ich noch viele Beispiele nennen. Wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich vielleicht sagen: Ich bin auch 50 Prozent gut und 50 Prozent schlecht. Manchmal fühle ich mich gleichzeitig sehr traditionell und sehr modern. Sehr ägyptisch und sehr europäisch. Sehr religiös und gleichzeitig offen für unterschiedliche religiöse Erfahrungen. Manchmal bin ich links, manchmal rechts – und manchmal stehe ich einfach irgendwo dazwischen.

Vielleicht klingt das widersprüchlich. Für mich ist es aber inzwischen weniger ein Widerspruch als ein Teil meiner Identität. Ich habe lange versucht, diese verschiedenen Seiten voneinander zu trennen oder mich für eine davon zu entscheiden. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, dass ich nicht unbedingt wählen muss. Vielleicht darf ein Mensch gleichzeitig mehrere Zugehörigkeiten, Erfahrungen und Perspektiven in sich tragen.

Vor Kurzem bin ich dann auf einige Zeilen aus einem ägyptischen Lied der Band Cairokee gestoßen, die dieses Gefühl für mich noch stärker ausdrücken:

.جوايا اتنين وأنا التالت ، والتالت دايمًا ساكت، سلم، بطل يتكلم ولا بيحس ولا بيتألم

(In mir sind zwei, und ich bin der Dritte. Der Dritte schweigt immer. Er hat aufgehört zu sprechen, zu fühlen und zu leiden).

Diese Worte haben mich getroffen, weil sie ein Gefühl beschreiben, das manchmal schwer zu erklären ist: als würden in einem Menschen mehrere Stimmen leben – und dazwischen steht noch eine dritte Person, die zuhört und versucht, alles zusammenzuhalten.

Vielleicht ist genau das mein „drittes Ich“.

Zwei Herzen in meiner Brust.

Vielleicht sind es sogar mehr als zwei. Und vielleicht bin ich nicht derjenige, der zwischen ihnen entscheiden muss – sondern derjenige, der gelernt hat, mit ihnen allen zu leben.

Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨

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