Was ist halales Fleisch?
Eine einfache Frage über halal
Während einer meiner Arabischstunden kamen mein Schweizer Schüler Hans und ich irgendwie auf mein Leben in Deutschland zu sprechen.
Ich erzählte ihm, dass der 1. September mein drittes Jubiläum seit meinem Leben in Deutschland markierte. Als eine Art persönliche Feier dieses neuen Lebensabschnitts wollte ich mit einigen Freunden in einem Restaurant zu Mittag essen.
Und genau an diesem Punkt nahm unser Gespräch eine unerwartete Wendung.
Hans fragte mich: „Gibt es in deiner Nähe halal Restaurants?“
Für Musliminnen und Muslime ist halal nicht einfach eine Frage des Geschmacks oder einer persönlichen Vorliebe. Das arabische Wort halal bedeutet wörtlich „erlaubt“ oder „zulässig“. Im Zusammenhang mit Lebensmitteln bezeichnet es das, was nach den islamischen Speisevorschriften erlaubt ist. Dazu gehören unter anderem bestimmte Einschränkungen hinsichtlich Schweinefleisch und Alkohol sowie besondere Anforderungen an die Schlachtung und Zubereitung von Fleisch.
Persönlich musste ich über seine Frage einige Sekunden nachdenken!!
Nicht, weil ich nicht verstanden hätte, was er meinte, sondern weil die Frage selbst nicht so einfach war, wie sie zunächst klang.
Was genau macht ein Restaurant eigentlich halal?
Reicht es aus, wenn ein Restaurant halal Fleisch anbietet? Muss das gesamte Restaurant den halal-Vorschriften entsprechen? Was ist mit der Küche, den Kochutensilien oder der möglichen Vermischung mit nicht-halalen Zutaten? Und was bedeutet „halal“ eigentlich für verschiedene Musliminnen und Muslime in unterschiedlichen kulturellen und religiösen Kontexten?
Eine scheinbar einfache Frage danach, wo man zu Mittag essen könnte, öffnete plötzlich die Tür zu einem viel größeren Gespräch – über Religion, Essen, Identität, Kultur und darüber, was es bedeutet, als Muslim in Europa zu leben.
Für Musliminnen und Muslime ist die Frage nach halal Lebensmitteln nicht immer so einfach, wie sie von außen erscheinen mag.
Im Islam gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einem Tier, das auf die vorgeschriebene Weise geschlachtet wurde, und einem Tier, das ohne eine islamisch gültige Schlachtung gestorben ist. Der Koran erlaubt ausdrücklich die Speise der Angehörigen der Schrift, also der Juden und Christen. Dazu gehören nach der traditionellen islamischen Rechtsauffassung auch ihre Schlachttiere, sofern sie nicht auf eine Weise getötet wurden, die nach islamischem Recht verboten ist. Wenn Muslime in einem nicht-muslimischen Land nicht wissen, wie ein Tier geschlachtet wurde, gibt es darüber hinaus unterschiedliche rechtliche und theologische Auffassungen darüber, wie mit dieser Frage umzugehen ist.
In Deutschland begegnet man in diesem Zusammenhang häufig dem Begriff „Schächten“. Damit wird im Allgemeinen eine rituelle Schlachtung ohne vorherige Betäubung des Tieres bezeichnet. Aus islamischer Sicht geht es jedoch nicht allein um diesen Begriff, sondern vor allem darum, auf welche Weise das Tier geschlachtet wurde und ob diese Art der Schlachtung den islamischen Voraussetzungen entspricht.
Genau darüber habe ich schon viele Gespräche mit deutschen Freunden und Nachbarn geführt, die keine Muslime sind.
Einige von ihnen empfinden die islamische Art der Schlachtung als problematisch, weil sie befürchten, dass das Tier dabei unnötig leiden oder Schmerzen empfinden könnte. Manche halten sie sogar für eine der weniger geeigneten Methoden, ein Tier zu töten.
Ich kann diese Sorgen durchaus verstehen. Die Frage nach dem Leiden von Tieren ist ernst und sollte nicht einfach beiseitegeschoben werden, nur weil sie mit einer religiösen Praxis verbunden ist.
Gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, dass in solchen Gesprächen nicht immer genügend Raum dafür vorhanden ist, zu erklären, wie Muslime selbst diese Frage verstehen. Vielleicht gehe ich manchmal auch nicht richtig mit solchen Diskussionen um. Vielleicht ist mein Gegenüber aber auch einfach nicht bereit, eine andere Perspektive zu hören.
Deshalb möchte ich diese Plattform und diesen Blog nutzen, um meine eigene Sicht auf dieses Thema zu erklären.
Im Islam gibt es ein einfaches und für mich sehr wichtiges Prinzip: Wenn ihr schlachtet, dann schlachtet auf gute und schonende Weise.
Der respektvolle und möglichst schonende Umgang mit Tieren ist kein fremder Gedanke im Islam. Ein Tier wird nicht einfach als Gegenstand oder als bloße Nahrungsquelle betrachtet. Es ist ein Lebewesen, das Gott geschaffen hat. Deshalb ist es wichtig, unnötiges Leiden zu vermeiden und mit dem Tier verantwortungsvoll umzugehen.
Dazu gehören auch konkrete Grundsätze für die Schlachtung: Das Messer soll sehr scharf sein, damit die Schlachtung schnell und möglichst effektiv durchgeführt werden kann. Das Messer soll nicht vor den Augen des Tieres geschärft werden. Ebenso soll ein Tier nicht vor den Augen eines anderen Tieres geschlachtet werden. Die Schlachtung soll so durchgeführt werden, dass unnötiges Leiden möglichst vermieden wird.
Für mich ist das ein wichtiger Teil der Diskussion, der manchmal übersehen wird.
Wenn die Wissenschaft eines Tages – nach vielen Jahren der Forschung – eine zuverlässige Methode entwickeln sollte, mit der wir genau feststellen können, was ein Tier während einer Schlachtung empfindet, und wenn sich dadurch eindeutig zeigen würde, dass eine bestimmte Methode dem Tier unnötige Schmerzen oder Leiden verursacht, wäre ich persönlich einer der Ersten, die eine Veränderung dieser Methode unterstützen würden.
Warum?
Weil der Schutz des Lebens und die Verringerung des Leidens eines von Gott geschaffenen Lebewesens meiner Ansicht nach nicht im Widerspruch zu den Grundprinzipien des Islam stehen sollten.
Gleichzeitig gibt es im islamischen Recht einen weiteren grundlegenden Unterschied: den Unterschied zwischen Schlachten und Töten.
Wenn bekannt ist, dass ein Tier durch Erwürgen, durch einen tödlichen Schlag oder auf eine andere verbotene Weise gestorben ist, ohne dass eine gültige Schlachtung stattgefunden hat, gilt es im islamischen Recht als „Mayta“ (ميتة), also als verendetes beziehungsweise nicht ordnungsgemäß geschlachtetes Tier. Sein Fleisch darf daher nicht gegessen werden.
Für jemanden, der mit den islamischen Speisevorschriften nicht vertraut ist, mag diese Unterscheidung zunächst sehr technisch erscheinen. Sie ist jedoch zentral für das Verständnis des Begriffs halal.
Denn es geht nicht nur darum, dass das Tier tot ist. Natürlich ist es in beiden Fällen tot. Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Wie ist es gestorben? Und ist sein Tod durch eine Schlachtung erfolgt, die nach islamischem Recht als zulässig gilt?
Und so führte mich Hans’ scheinbar einfache Frage:
„Gibt es in deiner Nähe ein halal Restaurant?“
zu einem viel größeren Gespräch als nur zu der Frage, wo wir zu Mittag essen könnten.
Hinter einem einzigen Wort wie „halal“ stehen Fragen nach Religion, Recht, Tierwohl, Kultur und Identität – und letztlich auch die Frage, was es für uns bedeutet, einem anderen Lebewesen mit Respekt zu begegnen.
Vielleicht ging es in diesem Gespräch also gar nicht nur darum, ein halal Restaurant zu finden.
Vielleicht ging es vielmehr darum zu verstehen, was „halal“ eigentlich bedeutet.
Vielen Dank an alle, die mit Interesse lesen und offen bleiben – das bedeutet mir wirklich viel. Teilt gerne eure Gedanken und Erfahrungen – ich freue mich auf den Austausch! 🙂 Ma’assalama ( Auf wiedersehen) 🌙✨
P.S.: Der Text wurde von einer KI korrigiert, aber der Inhalt wurde von mir selbst verfasst, Ragab Kamal Abouhalima, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg.
Ragab Kamal Abouhalima

Was bedeutet halal? Eine einfache Frage über halal Fleisch wird zum Ausgangspunkt für eine persönliche Auseinandersetzung mit Religion, Tierschutz, Kultur und dem muslimischen Leben in Europa.